Edition VIII · Skills of the Future · Pillar

Skills of the Future

Was die Begriffs-Industrie verkauft - und was ein Mittelständler stattdessen entscheiden muss.
Von Michael von Hirschfeld · 11. Juni 2026 · ~16 Minuten Lesezeit
Zuletzt aktualisiert: 11. Juni 2026

Die Frage des Aufsichtsrats steht auf der Folie: Welche Skills tragen Ihre Strategie? Auf dem Tisch liegen der WEF-Report, ein Stifterverband-Framework und ein McKinsey-Auszug. In der Summe ergeben sie zwischen dreißig und achthundert Skills. Was sie nicht ergeben, ist eine Antwort.

Wer heute als Geschäftsführer:in eines mittelständischen Unternehmens nach „Skills of the Future" sucht, findet eine Begriffs-Industrie. WEF, McKinsey, Stifterverband, Bersin, Skillsoft, Korn Ferry, Workday, Eightfold. Jeder Anbieter hat einen Katalog, eine Taxonomie, eine Cloud, einen Index. Was niemand am Markt anbietet, ist die Reduktion: aus dreißig bis achthundert Skills die fünf bis acht herausziehen, von denen Ihre Strategie der nächsten vierundzwanzig Monate konkret abhängt. Genau diese Lücke schließt die HIHB-Horizon-Methode auf hireworks.de - in einem Workshop mit Geschäftsführung, HR-Leitung und Bereichsleitung am Tisch.

Skills of the Future ist im Markt-Diskurs eine Trend-Begriffsfamilie. Im Unternehmens-Alltag ist es eine Entscheidung.

Dieser Artikel ist der Pillar einer Edition mit fünf Texten zur Skill-Strategie im Mittelstand. Er ordnet die vier wichtigsten Frameworks ein, zeigt, warum sie auf der Ebene des einzelnen Unternehmens keine Antwort geben, und beschreibt die Mechanik, die HIHB stattdessen anbietet: Pre-Recruiting auf strategischer Ebene - die Klärung der Skill-Frage, bevor die erste Schlüsselbesetzung ausgeschrieben wird.

1Was die Begriffs-Industrie verkauft

Vier Anbieter prägen den Diskurs über „Skills of the Future" im deutschsprachigen Markt: das World Economic Forum, McKinsey, der Stifterverband und die Skill-Cloud-Anbieter. Jeder erfüllt einen anderen Bedarf. Keiner liefert eine Antwort auf die Frage, die ein Mittelständler am Montag in der Geschäftsführungs-Sitzung stellt.

WEF Future of Jobs Report 2025 - die Markt-Vermessung

Der Future of Jobs Report 2025 ist das vermutlich meistzitierte Dokument zur Skill-Frage. Mehr als eintausend Arbeitgeber, vierzehn Millionen Mitarbeitende, zweiundzwanzig Branchen-Cluster, fünfundfünfzig Volkswirtschaften. Die Kern-Befunde des WEF sind im Diskurs angekommen: Neununddreißig Prozent der heutigen Kern-Fähigkeiten werden bis 2030 transformiert oder veraltet sein. Dreiundsechzig Prozent der Arbeitgeber:innen sehen Skill-Lücken als größte Bremse für Geschäftstransformation in den Jahren 2025 bis 2030. Fünfundachtzig Prozent planen, Upskilling zu priorisieren; siebzig Prozent erwarten, neue Mitarbeitende mit neuen Skills einzustellen.

Was der WEF-Report leistet: er beweist, dass der Skill-Wandel real ist, branchenübergreifend wirkt und in den nächsten fünf Jahren eine Größenordnung erreicht, die strategisch nicht ignorierbar ist. Was er nicht leistet: er sagt einem einzelnen Geschäftsführer nichts darüber, welche Skills für sein Unternehmen die kritischen sind. Der WEF-Skill-Katalog umfasst rund einhundertfünfzig Skill-Begriffe, gruppiert in Cluster wie analytisches Denken, Resilienz, KI und Big Data, technologische Kompetenz, Neugier und lebenslanges Lernen. Eine Marktbeobachtung. Keine Unternehmens-Antwort.

McKinsey State of Organizations 2023 - der Fähigkeits-Gap

McKinsey schreibt in der State of Organizations 2023 einen Befund auf, der die Dringlichkeit der Skill-Frage in eine einzige Zahl übersetzt: Nur fünf Prozent der befragten Organisationen sagen, dass sie über die Fähigkeiten verfügen, die sie für ihre Ziele brauchen. Sechs Prozent halten sich für bereits zu spät dran. Dreiundvierzig Prozent sagen, sie müssten jetzt handeln. Siebenundvierzig Prozent sehen Handlungsbedarf in absehbarer Zeit.

Wer diese Zahl liest, hat zwei Reaktionen. Die erste ist Erleichterung: man ist nicht allein, neunzig Prozent der Organisationen sehen denselben Druck. Die zweite ist die unangenehme Frage: was bedeutet das für mein Haus? McKinsey beantwortet sie nicht. Der Report beschreibt einen Markt-Aggregat-Befund. Er gibt keine Methode an die Hand, mit der eine Geschäftsführung aus dem Aggregat die eigenen Critical Few herausziehen kann.

Stifterverband Future Skills 2030 - der deutsche Katalog

Der Stifterverband hat im Dezember 2025 sein aktualisiertes Future-Skills-Framework veröffentlicht. Dreißig Zukunftskompetenzen in fünf Kategorien: grundlegende, transformative, gemeinschaftsorientierte, digitale und technologische Future Skills. Mehr als eintausend befragte Stakeholder bestätigen die übergeordnete Relevanz des Frameworks. In der deutschen Bildungs- und HR-Diskussion ist der Stifterverband-Katalog Standard-Referenz.

Der Vorzug des Stifterverband-Frameworks: hohe inhaltliche Sorgfalt, klare Strukturierung, gute Anschlussfähigkeit für Bildungsprogramme. Der Befund auf Unternehmens-Ebene ist derselbe wie beim WEF und bei McKinsey: Dreißig Kompetenzen sind eine Karte, keine Route. Wer als Mittelständler:in nach den fünf Skills sucht, von denen seine nächste Produktinnovation abhängt, findet im Framework die Auswahl, aber keine Auswahl-Methode.

Skill-Clouds (Workday, Eightfold, Lightcast) - die Datenbank-Logik

Am anderen Ende des Spektrums stehen die Skill-Cloud-Anbieter. Workday Skills Cloud, Eightfold Talent Intelligence, Lightcast Open Skills, Korn Ferry Success Profiles. Hier wird nicht reduziert, hier wird vermehrt. Die Versprechung: aus Stellenanzeigen, Lebensläufen und internen Profilen werden Skills inferiert, in Echtzeit, in einer Datenbank, die je nach Anbieter zwischen einigen Tausend und einigen Zehntausend Skill-Einträge führt. Lightcast Open Skills enthält rund dreißigtausend Skills.

Die Sevoir Group beschreibt in „Why Skills Taxonomy Projects Fail" die Realität hinter dieser Versprechung: Skill-Taxonomie-Daten sind notorisch schwer zusammenzuführen, Pflege wird zur überwältigenden Belastung, und während die Einführung noch läuft, ist die Taxonomie schon wieder veraltet, weil sich die Anforderungen weiterentwickelt haben. Implementierungen kollabieren regelmäßig - nicht weil die Technologie nicht funktioniert, sondern weil die Strategie-Frage übersprungen wurde. Josh Bersins „Sober Reality"-Artikel kommt aus einer anderen Richtung zum selben Ergebnis: nahezu jedes Unternehmen will eine Skills-Based Organization werden, die wenigsten haben eine reproduzierbare Methode dafür.

Der gemeinsame Befund: vier Frameworks, keine Reduktion

Die vier Anbieter unterscheiden sich in Umfang, Methodik und Zielgruppe. In einer Eigenschaft sind sie identisch: Keiner liefert eine Reduktions-Methode auf das einzelne Unternehmen.

Vergleichsgrafik: WEF Future of Jobs Report 2025, McKinsey State of Organizations 2023, Stifterverband Future Skills 2030 und Skill-Clouds-Anbieter (Workday, Eightfold, Lightcast) gegenübergestellt nach Skill-Anzahl (150, 56, 21, 800+), Methodik (Marktbeobachtung, Fähigkeits-Gap-Analyse, deutscher Katalog, Datenbank-Logik) und der gemeinsamen Leerstelle: keine Reduktions-Methode auf das einzelne Unternehmen.
Abb. 1 - Vier Frameworks, vier Skill-Mengen, eine Leerstelle. Die Reduktion auf die Critical Few muss das Unternehmen selbst leisten.
Framework Skill-Anzahl Was es leistet Was es nicht leistet
WEF Future of Jobs 2025 ca. 150 Marktbeobachtung, Trend-Analyse, Branchen-Cluster Reduktion auf das einzelne Unternehmen
McKinsey State of Organizations 2023 Cluster-basiert Dringlichkeits-Befund, 5/47/43-Verteilung Methodik zur Critical-Few-Identifikation
Stifterverband Future Skills 2030 30 in 5 Kategorien Deutscher Konsens-Katalog, Bildungs-Anschluss Auswahl-Methode für das einzelne Unternehmen
Skill-Clouds (Lightcast, Workday, Eightfold) 3.000 - 30.000 Daten-Inferenz aus CVs und Stellenanzeigen Strategie-Anschluss, Critical-Few-Reduktion

Die Begriffs-Industrie verkauft Kataloge. Sie verkauft keine Entscheidungen. Das ist nicht ihr Versäumnis - das ist ihre Aufgabenstellung. Marktbeobachtung und Strategie-Entscheidung sind verschiedene Disziplinen. Die Verwechslung der beiden ist der häufigste Fehler in den ersten zwölf Monaten einer Skill-Strategie.

2Warum 30+ Skills im Mittelstand niemand umsetzt

Stellen Sie sich vor, eine CHRO eines Industrieunternehmens mit eintausendfünfhundert Mitarbeitenden bekommt von der Geschäftsführung den Auftrag: „Entwickeln Sie eine Skill-Strategie für die nächsten drei Jahre." Sie nimmt das Stifterverband-Framework als Grundlage. Dreißig Skills in fünf Kategorien. Sie verteilt sie auf Bereiche, sie ordnet sie Funktionen zu, sie erstellt ein Skill-Profil je Rolle. Nach sechs Wochen liegt ein vierundzwanzigseitiges Dokument auf dem Tisch. Es liest sich gut. Es passiert nichts.

Dieses Muster habe ich in mehr als zweihundert Mandaten in DACH und Benelux gesehen. Die Frage ist nicht, warum die CHRO nicht weitergekommen ist. Die Frage ist, warum eine sorgfältig erstellte Skill-Architektur im Mittelstand systematisch in der Schublade landet. Drei Gründe.

Grund 1: Skill-Listen können nicht priorisieren

Eine Liste mit dreißig Skills ist demokratisch. Jeder Skill steht gleich da. Das ist die Eigenschaft einer Liste - und genau ihre Schwäche, wenn es um eine strategische Entscheidung geht. Eine Geschäftsführung kann nicht in dreißig Skills gleichzeitig investieren. Sie kann in drei investieren, vielleicht in fünf, im seltenen Fall in acht. Wer nicht reduziert, entscheidet implizit über Verteilung - und zwar so, dass am Ende des Jahres in jeden Skill ein bisschen gegangen ist und in keinen genug.

McKinsey bringt diesen Befund in einer einzigen Zahl auf den Punkt: fünf Prozent der Organisationen sagen, sie hätten die Fähigkeiten, die sie brauchen. Die anderen fünfundneunzig Prozent haben Skill-Strategien, aber nicht die Skills. Der Unterschied zwischen den beiden ist die Reduktion.

Grund 2: Verhaltensauflösung fehlt

Ein Skill-Name ist eine Schublade. „KI-Kompetenz" steht in Tausenden von Stellenanzeigen. Was er konkret bedeutet, hat selten jemand ausformuliert. Vier Bewerbende behaupten im Interview, sie hätten KI-Kompetenz. Drei meinen ChatGPT-Bedienung, einer meint Modell-Evaluation, einer meint Prompt-Engineering. Im neunzig-Tage-Plan stellt sich heraus, dass der Hiring Manager den falschen ausgewählt hat. Nicht weil der Skill-Name falsch war. Sondern weil der Skill-Name nie aufgelöst wurde.

Skill-Frameworks sind hier strukturell unscharf. Sie nennen den Skill, sie umreissen die Bedeutung, sie ordnen ihn in eine Kategorie ein. Sie sagen nicht, was ein Mensch tut, der diesen Skill hat - in beobachtbarem Verhalten, das im Interview, im neunzig-Tage-Plan und in der Performance-Bewertung prüfbar ist. Die Verhaltensauflösung ist die methodische Brücke zwischen Skill-Label und Recruiting-Entscheidung. Sie ist die teuerste Lücke im Standard-Werkzeugkasten.

Grund 3: Triade-Konsens fehlt

In den Workshops, die ich moderiere, sitzt der Schlüssel zur Critical-Few-Reduktion nicht in einer einzelnen Person. Er sitzt in der Triade aus Geschäftsführung, HR-Leitung und Bereichsleitung. Die Geschäftsführung kennt die Strategie. Die HR-Leitung kennt den Personalkörper. Die Bereichsleitung kennt die operative Realität. Solange diese drei Sichten nicht in einem Raum zusammenkommen, wird jede Skill-Liste durch die jeweilige Brille gelesen - und niemand findet das gemeinsame Bild.

Das Stifterverband-Framework liest sich aus HR-Sicht anders als aus Geschäftsführungs-Sicht. Der WEF-Report liest sich aus Bereichs-Sicht anders als aus C-Level-Sicht. Wer als CHRO die Skill-Strategie alleine baut, baut sie unweigerlich gegen einen unausgesprochenen Konsens. Wer sie alleine vorlegt, trägt das Folgerisiko alleine. Genau dieses Risiko ist der Grund, warum Skill-Strategien im Mittelstand in der Schublade landen.

Skill-Strategie ist keine HR-Aufgabe. Sie ist eine Triade-Aufgabe. Wer sie alleine baut, trägt das Risiko alleine - und scheitert am unausgesprochenen Konsens.

Der DIHK-Befund: der Mittelstand ist am stärksten betroffen

Der DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 macht die Dringlichkeit dieser Reduktions-Frage für den Mittelstand explizit: Mittelständische Unternehmen mit zweihundert bis neunhundertneunundneunzig Mitarbeitenden sind am stärksten von Stellenbesetzungs-Schwierigkeiten betroffen - siebenundvierzig Prozent können Stellen nicht besetzen, weil sie kein passendes Personal finden. Bei Unternehmen mit zwanzig bis hundertneunundneunzig Mitarbeitenden sind es vierundvierzig Prozent. Im Vergleich: Bei Großunternehmen mit mehr als eintausend Beschäftigten sind es vierzig Prozent.

Der Mittelstand ist also nicht weniger betroffen, sondern mehr. Gleichzeitig hat er weniger HR-Ressourcen, weniger Skill-Architektur-Vorerfahrung und weniger Toleranz für mehrjährige Skill-Cloud-Implementierungen. Die Reduktion auf Critical Few ist für mittelständische Unternehmen nicht eine Eleganz-Frage, sondern eine Notwendigkeit.

3Die HIHB-Antwort: Critical-Few-Reduktion

Critical Few ist kein neues Konzept. Pareto hat es vor mehr als hundert Jahren beschrieben, Jim Collins hat es in „Good to Great" als Strategie-Methode populär gemacht, Josh Bersin hat es im Skill-Kontext mehrfach aufgegriffen. Was bei HIHB hinzukommt, ist die Mechanik der Reduktion: eine reproduzierbare Drei-Schritt-Methode, mit der eine Triade aus Geschäftsführung, HR-Leitung und Bereichsleitung in einem Tag von einer Long-List zu fünf bis acht Critical Few kommt.

Schritt 1 - Freilegen

Der Workshop beginnt mit der Strategie, nicht mit den Skills. Welche drei bis fünf Strategie-Ziele tragen die nächsten vierundzwanzig Monate? Markteintritt, Produkt-Launch, geographische Expansion, Margenverbesserung, Digitalisierungs-Programm. Pro Ziel wird eine einzige Frage gestellt: Welche Fähigkeit entscheidet, ob wir das liefern?

Die Frage ist absichtlich scharf formuliert. Sie zwingt aus der Komfortzone der Skill-Vollständigkeit heraus. „Wir brauchen auch dieses" ist eine Standardreaktion - und genau die Reaktion, die in den fünfundneunzig Prozent landet, die ihre Skill-Strategie nicht umsetzen. Die Reduktions-Frage zwingt zur Entscheidung. Am Ende von Schritt 1 stehen zwischen fünfzehn und fünfundzwanzig Skill-Kandidaten auf der Pinnwand.

Schritt 2 - Isolieren

Aus fünfzehn bis fünfundzwanzig Kandidaten werden fünf bis acht Critical Few. Die Mechanik ist eine Priorisierungs-Übung, die ich in zweihundert Mandaten als belastbar erlebt habe: jeder Teilnehmer hat hundert Prozent Verteilungs-Punkte und verteilt sie auf die Kandidaten. Wer alles gleich gewichtet, hat seinen Punkte-Stand nach drei Sekunden ausgeschöpft. Wer reduziert, sieht sofort, welche Skills bei wem hohe Priorität haben.

Die wirkliche Arbeit beginnt im Gespräch über die Verteilungs-Konflikte. Die Geschäftsführung hat einen Skill auf vierzig Prozent gesetzt, die Bereichsleitung hat denselben Skill auf fünf Prozent. Der Konflikt ist diagnostisch. Er zeigt, dass entweder das Strategie-Ziel nicht klar ist oder die operative Realität nicht verstanden wurde. Beide Fälle sind die Stelle, an der der Workshop seinen Wert liefert: die unausgesprochenen Annahmen werden in einer moderierten Diskussion sichtbar. Am Ende von Schritt 2 stehen fünf bis acht Critical Few mit Konsens.

Schritt 3 - Konkretisieren

Ein Skill-Name ist noch keine Entscheidung. Er wird es erst, wenn er in beobachtbares Verhalten übersetzt ist. Schritt 3 macht aus jedem Critical Few zwei bis drei Verhaltensanker: konkrete, überprüfbare Verhaltensweisen, an denen man im Interview, im neunzig-Tage-Plan und in der Performance-Bewertung erkennt, ob die Fähigkeit vorhanden ist oder nicht.

Beispiel: Der Critical Few „AI-Literacy" wird zu drei Verhaltensankern aufgelöst. Erstens: Die Person kann ein KI-Output gegen ihr Fachwissen verteidigen und sagt, warum sie der Maschine nicht folgt. Zweitens: Die Person trifft eine reproduzierbare Entscheidung, ob ein Modell halluziniert oder ob sie sich irrt. Drittens: Die Person erklärt einem Fachfremden in zwei Minuten, warum ein KI-Tool für einen Anwendungsfall geeignet ist und für einen anderen nicht. Diese drei Anker sind im Interview prüfbar. Sie sind im neunzig-Tage-Plan operationalisierbar. Sie sind in der Bewertung dokumentierbar.

Die methodische Verwandtschaft zur HIHB-5C-Methode ist nicht zufällig. Beide Methoden machen Implizites explizit, beide arbeiten über Triade-Konsens, beide enden in Verhaltensbeschreibung. Horizon ist die strategische Schwester der 5C-Methode: 5C klärt eine einzelne Schlüsselbesetzung, Horizon klärt die Skill-Architektur, in der mehrere Schlüsselbesetzungen stattfinden.

4Was HIHB Horizon konkret macht

HIHB Horizon auf hireworks.de ist die operative Umsetzung der Critical-Few-Methode. Vier strukturelle Eigenschaften unterscheiden den Horizon-Workshop von einer klassischen Skill-Strategie-Beratung oder einer Skill-Cloud-Einführung.

Eigenschaft 1: Triade am Tisch

Geschäftsführung, HR-Leitung und Bereichsleitung sitzen gleichzeitig im Raum. Nicht abwechselnd, nicht in separaten Workshops, nicht über Email-Abstimmungs-Runden. Dieser methodische Punkt ist nicht-trivial. Eine Skill-Strategie ohne Geschäftsführungs-Anker bleibt HR-Bemühung. Eine Skill-Strategie ohne HR-Realität bleibt CEO-Wunsch. Eine Skill-Strategie ohne Bereichsleitung bleibt theoretisch. Die Triade ist die kleinste Einheit, in der eine Skill-Entscheidung tragfähig wird.

Aus meinen Workshops weiß ich, was passiert, wenn die Triade nicht vollständig ist. Wenn die Geschäftsführung delegiert, kommt die Skill-Strategie später im Vorstand nicht durch. Wenn die HR-Leitung nicht im Raum war, kann sie die Umsetzung nicht tragen. Wenn die Bereichsleitung nicht eingebunden ist, scheitert die Operationalisierung an stillem Widerstand. Die Vollständigkeit der Triade ist die billigste Versicherung gegen die teuerste Versäumnis.

Eigenschaft 2: Reduktion statt Vermehrung

Horizon erweitert keinen Skill-Katalog. Horizon reduziert. Am Ende des Workshops stehen fünf bis acht Critical Few - und nicht dreißig oder achthundert. Diese Begrenzung ist methodisch erzwungen, nicht zufällig. Wer mit fünfzehn Skills aus dem Workshop geht, hat die Reduktions-Frage nicht beantwortet. Die Mechanik aus Schritt 2 (Hundert-Prozent-Verteilung) zwingt zur Reduktion, weil sie die Verteilungs-Konflikte sichtbar macht und zur Entscheidung treibt.

Eigenschaft 3: Skill-Nachbarschaftskarte als Output

Pro Critical Few entsteht im Workshop eine Skill-Nachbarschaftskarte. Sie zeigt, welche internen Profile mit kurzem Upskilling-Weg (sechs bis zwölf Monate) auf den Critical Few aufschließen können - sogenannte Tier-1-Profile. Welche mit mittlerem Weg (zwölf bis achtzehn Monate) - Tier-2. Welche in vierundzwanzig Monaten nicht aufschließen - Tier-3. Diese Karte ist die Brücke zwischen abstrakter Skill-Entscheidung und konkreter Build-Buy-Hire-Entscheidung. Sie verwandelt eine Skill-Strategie in eine Personen-Bewegungs-Hypothese, ohne dass HR personenbezogene Daten an Externe gibt.

Die Skill-Nachbarschafts-Logik ist eng verwandt mit Internal-Mobility-Konzepten, geht aber methodisch einen Schritt weiter: nicht nur „wer kann sich entwickeln?", sondern „in welcher Reihenfolge entwickeln wir wen auf welchen Critical Few?".

Eigenschaft 4: Verhaltensanker je Skill

Wer aus dem Horizon-Workshop kommt, hat für jeden Critical Few zwei bis drei Verhaltensanker. Diese Anker sind direkt verwendbar - im Briefing der nächsten Schlüsselbesetzung, im Interview-Leitfaden, im neunzig-Tage-Plan. Sie schließen die Lücke zwischen Skill-Label und Recruiting-Entscheidung, die in den meisten Unternehmen mehrfach Geld kostet.

Die methodische Verbindung zur HIHB-Recruiting-Praxis ist hier direkt: was im Horizon-Workshop als Verhaltensanker entsteht, fließt eine Etage tiefer in das strategische Briefing der einzelnen Schlüsselbesetzung und weiter in die Persona statt Anforderungsliste. Horizon ist die strategische Vorab-Klärung, in der die Skills fixiert werden - die nachgelagerten HIHB-Workshops nutzen diese Skills, um einzelne Rollen zu besetzen.

5Wer profitiert

HIHB Horizon ist nicht für jedes Unternehmen die richtige Wahl. Drei Faktoren entscheiden, ob ein Workshop trägt.

Faktor 1: Unternehmensgröße zwischen 500 und 3.000 Mitarbeitenden

Unter fünfhundert Mitarbeitenden ist die Skill-Frage meist enger an einzelne Schlüsselbesetzungen geknüpft - hier ist die HIHB-5C-Methode auf Rollen-Ebene die effizientere Antwort. Über dreitausend Mitarbeitende wächst die Komplexität so stark, dass ein Horizon-Workshop typischerweise mehrere Bereiche und mehrere Iterationen braucht. Im Korridor dazwischen - zwischen fünfhundert und dreitausend Mitarbeitenden - liegt der typische DACH-Mittelstand. Hier funktioniert ein Horizon-Tag mit der Triade aus Geschäftsführung, HR und Bereichsleitung am besten.

Faktor 2: Strategie-Periode 18 bis 24 Monate

Wer keine Strategie hat, kann keine Critical Few ableiten. Das Horizon-Setup setzt voraus, dass mindestens eine Strategie-Periode von achtzehn bis vierundzwanzig Monaten greifbar ist. Drei Strategie-Ziele reichen. Sie müssen nicht in einem Hochglanz-Strategie-Papier stehen. Sie müssen in den Köpfen der Geschäftsführung und Bereichsleitung klar genug sein, um in einer Pinnwand-Diskussion zu bestehen.

Faktor 3: Triade-Verfügbarkeit für einen Tag

Geschäftsführung, HR-Leitung und Bereichsleitung müssen gemeinsam einen Tag freischaufeln können. Das ist im Kalender der schwierigste Posten - und gleichzeitig die wichtigste Voraussetzung. Wer die Triade nicht zusammenbekommt, sollte den Workshop verschieben, nicht reduzieren. Eine Skill-Strategie ohne Triade ist eine Skill-Strategie auf Probe.

Die typischen Auftraggeber:innen

In meinen letzten zwölf Horizon-Mandaten habe ich drei wiederkehrende Auftraggeber-Profile gesehen. Erstens: CHROs, die vom Vorstand den Auftrag bekommen haben, eine Skill-Strategie zu liefern, und nach drei Wochen merken, dass das Stifterverband-Framework die Frage nicht beantwortet. Zweitens: Geschäftsführer:innen mit einer anstehenden Strategie-Periode, die den Skill-Anschluss vorab klären wollen, bevor die Strategie kommuniziert wird. Drittens: Bereichsleitungen mit eigenem Skill-Investment-Budget, die einen Konsens mit Geschäftsführung und HR brauchen, bevor sie Mittel binden.

Was alle drei Profile teilen: sie haben gemerkt, dass die Frage „welche Skills?" eine andere ist als die Frage „welche Skills laut WEF?". Sie suchen nicht nach Marktbeobachtung. Sie suchen nach Entscheidung.

6Reihenfolge: Richtung, Skills, Build-Buy-Hire

Wer aus dem Horizon-Workshop kommt, hat drei Dinge auf dem Tisch. Erstens: drei bis fünf Strategie-Ziele in einer Form, die mit den Skill-Entscheidungen verbunden ist. Zweitens: fünf bis acht Critical Few mit Verhaltensankern. Drittens: pro Critical Few eine Skill-Nachbarschaftskarte mit Tier-1-, Tier-2- und Tier-3-Profilen. Aus diesen drei Outputs ergibt sich die Reihenfolge der nächsten zwölf Monate von selbst.

Schritt 1 - Richtung: Die Geschäftsführung kommuniziert die Skill-Strategie als Teil der Strategie-Periode, nicht als HR-Initiative. Skill-Strategie ist Strategie-Anschluss, nicht Personal-Programm. Die Critical Few werden mit den Strategie-Zielen verbunden kommuniziert. Jeder im Unternehmen versteht, warum diese fünf Skills jetzt zählen.

Schritt 2 - Skills: Pro Critical Few wird entschieden, ob er über Build, Buy oder Hire abgedeckt wird. Tier-1-Profile aus der Nachbarschaftskarte bekommen Upskilling-Programme. Tier-2-Profile bekommen längere Entwicklungspfade oder werden zur Build-Buy-Entscheidung. Critical Few, für die keine Tier-1- oder Tier-2-Profile vorhanden sind, wandern in die Schlüsselbesetzungs-Pipeline - das ist der Moment, in dem die HIHB-Methode auf Rollen-Ebene übergibt.

Schritt 3 - Build-Buy-Hire: Die einzelnen Schlüsselbesetzungen, die aus Schritt 2 fallen, werden mit der HIHB-Methode auf Rollen-Ebene operationalisiert. Hier kommen die Verhaltensanker aus dem Horizon-Workshop direkt zum Einsatz - im strategischen Briefing, in der Persona, im neunzig-Tage-Plan. Die Anschlussfähigkeit zwischen Horizon (strategische Skill-Architektur) und HIHB Accelerator (einzelne Schlüsselbesetzung) ist methodisch konstruiert und in zweihundertplus Mandaten verifiziert.

Skills of the Future ist keine HR-Initiative. Es ist eine Strategie-Entscheidung mit Triade-Konsens und Verhaltens-Auflösung. Wer das nicht in dieser Reihenfolge macht, landet in der Schublade.

Die Begriffs-Industrie wird weiter Kataloge produzieren. WEF wird 2027 den nächsten Future of Jobs Report veröffentlichen. McKinsey wird die nächste State of Organizations schreiben. Der Stifterverband wird das Framework aktualisieren. Skill-Clouds werden zehntausend neue Skills inferieren. Diese Kataloge sind nützlich - als Marktbeobachtung, als Diskussions-Grundlage, als Konsens-Anker. Sie sind keine Antwort auf die Frage, die der Aufsichtsrat nächste Woche stellt.

Die Antwort auf diese Frage hat fünf bis acht Punkte. Sie passt auf eine Folie. Sie steht in der Sprache Ihres Unternehmens, nicht in der Sprache des WEF. Und sie ist von der Triade aus Geschäftsführung, HR und Bereichsleitung gemeinsam getragen, weil sie gemeinsam entstanden ist. Das ist Skills of the Future für einen Mittelständler. Alles andere ist Marktbeobachtung.

Häufige Fragen

Was sind Skills of the Future konkret?

Skills of the Future ist ein Sammelbegriff für Fähigkeiten, von denen Arbeitgeber und Forschungsinstitute annehmen, dass sie in den nächsten fünf bis zehn Jahren über Wettbewerbsfähigkeit entscheiden. Im Diskurs werden 30 bis 800 Skills aufgelistet, je nach Anbieter. Operativ heißt Skills of the Future für ein einzelnes Unternehmen aber nicht der gesamte Katalog, sondern die fünf bis acht Critical Few Skills, von denen die eigene Strategie konkret abhängt.

Warum reichen die WEF- oder Stifterverband-Frameworks nicht aus?

WEF, McKinsey, Stifterverband und vergleichbare Frameworks liefern eine valide Marktbeobachtung: welche Skills im Aggregat an Bedeutung gewinnen. Sie liefern keine Reduktions-Methode auf das einzelne Unternehmen. Wer aus 30 Skills die fünf herausziehen will, die seine Strategie tragen, findet im Framework keine Mechanik. Die Reduktion ist eine methodische Leistung, die über den Katalog hinausgeht.

Was ist der Critical-Few-Ansatz?

Critical Few bedeutet: aus der Strategie der nächsten 24 Monate werden fünf bis acht Schlüsselfähigkeiten herausgezogen, von denen die Lieferung konkret abhängt. Die Mechanik läuft über drei Schritte: Freilegen der Strategie-Ziele, Isolieren der Fähigkeiten über eine Priorisierungs-Übung, Konkretisieren in beobachtbares Verhalten. Die HIHB-Methode moderiert diese drei Schritte in einem Workshop mit Geschäftsführung, HR und Bereichsleitung.

Für welche Unternehmen lohnt sich der Horizon-Workshop?

HIHB Horizon ist auf Mittelstand zwischen 500 und 3.000 Mitarbeitenden zugeschnitten. Voraussetzung sind drei Faktoren: eine Strategie-Periode von mindestens 18 bis 24 Monaten, mehrere Schlüsselbesetzungen oder Skill-Aufbau-Entscheidungen im nächsten Jahr und eine Triade aus Geschäftsführung, HR-Leitung und Bereichsleitung, die gemeinsam an einem Tag entscheiden kann.

Wie unterscheidet sich Horizon von einer Skill-Cloud-Software?

Eine Skill-Cloud inferiert Hunderte bis Tausende von Skills aus Lebensläufen und Stellenanzeigen. Sie liefert Daten. Sie liefert keine Strategie-Entscheidung. Horizon ist das Gegenteil: kein Skill-Katalog, sondern eine Reduktions-Methode. Am Ende stehen fünf bis acht Critical Few mit Verhaltensankern, Build-Buy-Hire-Entscheidung und Skill-Nachbarschafts-Karte. Eine Skill-Cloud ohne Reduktion ist teure Daten-Infrastruktur. Horizon ohne Skill-Cloud ist eine Strategie-Entscheidung.

Was ist Pre-Recruiting?

Pre-Recruiting ist die Disziplin, die der Suche vorgelagert ist. Sie klärt, welche Rolle mit welchen Anforderungen, welchem Mandat und welchem Verhalten besetzt werden muss, bevor die erste Stellenanzeige ausgeschrieben wird. HIHB Horizon ist der Pre-Recruiting-Schritt auf strategischer Ebene: nicht eine einzelne Rolle, sondern die fünf bis acht Critical Few Skills, die die nächsten 24 Monate tragen.

Michael von Hirschfeld
Geschäftsführer HireWorks GmbH · HIHB-Workshop-Moderator · 200+ Mandate

Verantwortet die HIHB-Methodik bei HireWorks. Moderiert seit 2018 Workshops mit Gründer:innen, Geschäftsführungen, HR- und Bereichsleitungen in DACH-Mittelstand, Konzernen und Start-ups. Pre-Recruiting-Pionier und Co-Autor der HIHB Horizon-Methode für strategische Skill-Architektur.

Vor Ihrer nächsten Skill-Strategie:
Ein Tag mit Triade ist mehr wert als sechs Wochen Skill-Katalog.

HIHB Horizon ist der Workshop, in dem aus dreißig Skills die fünf bis acht werden, die Ihre Strategie tragen. Geschäftsführung, HR-Leitung und Bereichsleitung am Tisch. Verhaltensanker, Nachbarschaftskarte und Build-Buy-Hire-Entscheidung als Output.

HIHB Horizon auf hireworks.de